Mariuccia Secol: Unraveling
Ein inszenierter filmischer Prolog zur Ausstellung im Muzeum Susch
Der Teaser nähert sich Mariuccia Secols Praxis über Material und Geste. In einem für die Kamera arrangierten Setup werden ausgewählte Werke behutsam gehandhabt; Nahaufnahmen legen Stoff, Faden und Metall frei, während Licht über die Oberflächen wandert.
Die Szenen dokumentieren keinen realen Ausstellungsaufbau. Sie übersetzen Secols Verfahren des Auflösens, Freilegens und Neuzusammensetzens in eine konzentrierte filmische Form.
Ausstellungsdokumentation
Dieses Video führt filmisch durch Unraveling, die erste umfassende institutionelle Retrospektive der italienischen Künstlerin und Aktivistin Mariuccia Secol im Muzeum Susch. Kuratiert von Monika Branicka und Eva Brioschi, versammelt die Ausstellung mehr als siebzig Jahre eines Werks, das radikalen Feminismus, gesellschaftliche Kritik und historische Aufarbeitung miteinander verbindet.
Der Film beginnt mit einer Weigerung: dem Schweigen, den vorgegebenen Rollen, der Vorstellung, Kunst liesse sich vom Leben trennen. Secols frühe Malerei der 1950er- und 60er-Jahre trägt das Gewicht eines von Krieg gezeichneten Jahrhunderts – Bilder, die Gewalt nicht illustrieren, sondern in die Oberfläche, in das Material selbst einschreiben. Ihre Arbeit im Malateliers einer psychiatrischen Klinik in Varese und die gesellschaftlichen Umbrüche der späten 1960er-Jahre verändern in der Folge ihr Verständnis von Kunst grundlegend: Fürsorge wird für sie vom Privaten zum Politischen.
Secol wendet sich von der Leinwand ab und den Materialien des Alltags zu – Schürzen, Stahlwolle, Haushaltstextilien –, die sie später als «Instrumente der weiblichen Rolle» bezeichnet. In Werken wie The Doll's House zerlegt sie die eigene Kleidung, darunter ihr Hochzeitskleid, zu kopf- und gesichtslosen Figuren: keine Porträts, sondern sichtbar gemachte Strukturen von Erwartung und Rolle. 1974 gründet sie gemeinsam mit ihrer Tochter Mirella und weiteren Künstlerinnen die feministische Gruppe Immagine, die sich der internationalen Kampagne «Wages for Housework» anschliesst und 1978 an der Biennale von Venedig teilnimmt. Aus dieser Zeit stammt auch Secols charakteristische Technik: Sie zieht Fäden aus dem Gewebe und öffnet damit Risse, die sie «Dehnungsstreifen» nennt – Spuren von Körper und Verletzung, durch die zugleich Licht und ein anderes Wissen eindringen.
In ihrem Spätwerk weitet sich der Blick über die eigene Erfahrung hinaus: Migration, ökologischer Kollaps und Formen struktureller Gewalt treten neben die frühen feministischen Fragen – nicht als getrennte Kämpfe, sondern als miteinander verbundene Ausdrucksformen derselben Strukturen. Der Film folgt dieser über sieben Jahrzehnte gewachsenen Bildsprache in ruhigen, materialnahen Aufnahmen und lässt Secols eigene Haltung – der beharrliche Wunsch, «eine andere Art zu leben» zu denken – bis in die Gegenwart nachklingen.
Projektübersicht
- Kunde
- Muzeum Susch
- Jahr
- 2026
- Ort
- Muzeum Susch, Susch
- Leistungen
- Filmproduktion, Kamera, Schnitt
- Formate
- Ausstellungsteaser, Ausstellungsdokumentation
- Partner & Mitwirkende
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- Matthias Kappeler · Kamera
- Thilo Gundelach · Schnitt
- Matej Tadić · Assistant